Jedes Jahr müssen in Deutschland rund 100.000 Fahrerinnen und Fahrer eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) absolvieren, nachdem ihnen die Fahrerlaubnis entzogen wurde.
Der Gesetzgeber verpflichtet Personen, die ihre Fahrerlaubnis verloren haben und diese wiedererlangen möchten, zur Teilnahme an einer MPU. Dies betrifft insbesondere Fälle wie:
Für Taxi- und Berufskraftfahrer kann diese Verpflichtung bereits bei einer geringeren Punktzahl gelten.
Wurde die Fahrerlaubnis länger als zwei Jahre entzogen, kann zusätzlich zur MPU eine erneute theoretische und praktische Führerscheinprüfung angeordnet werden.
Auch Personen, die bislang keinen Führerschein besessen haben, jedoch aufgrund eines Drogendelikts auffällig geworden sind, müssen vor der Zulassung zur Fahrprüfung häufig eine MPU erfolgreich bestehen. Ziel der Untersuchung ist es, die Eignung zum sicheren Führen eines Fahrzeugs im Straßenverkehr festzustellen.
Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) besteht aus mehreren Teilen, die gemeinsam prüfen sollen, ob eine Person wieder geeignet ist, sicher am Straßenverkehr teilzunehmen.
Im medizinischen Abschnitt stellt ein Arzt Fragen zu bestehenden Erkrankungen sowie zu regelmäßig eingenommenen Medikamenten.
Wenn Alkohol- oder Drogenkonsum der Grund für den Entzug der Fahrerlaubnis war, werden zusätzlich umfangreiche Blut- und Urinuntersuchungen durchgeführt. Dabei wird unter anderem der Gamma-GT-Wert (Leberenzymwert) überprüft, der Hinweise auf einen möglichen Alkoholmissbrauch geben kann.
Ein computergestützter Reaktionstest bewertet außerdem wichtige Fähigkeiten wie Konzentration, Aufmerksamkeit und Wahrnehmungsvermögen.
Der wichtigste Bestandteil der MPU ist das persönliche Gespräch mit einem Verkehrspsychologen. Dabei gibt es keine richtigen oder falschen Antworten. Entscheidend ist, glaubhaft darzulegen, dass Sie sich mit den Ursachen Ihres Fehlverhaltens auseinandergesetzt haben und nachhaltige Veränderungen vorgenommen wurden.
Es ist wichtig, eigene Fehler nicht zu verharmlosen oder anderen die Schuld zuzuweisen. Eine ehrliche Selbstreflexion spielt eine zentrale Rolle für eine positive Beurteilung.
⚠️ Hinweis:
Das psychologische Gespräch gilt als der ausschlaggebende Moment der MPU. Unzureichende Vorbereitung kann schnell zu einem negativen Ergebnis führen.
Nach Einschätzung vieler Fachleute benötigen zahlreiche MPU-Teilnehmer psychologische Unterstützung oder Suchtberatung. Am Beispiel von Alkohol am Steuer zeigt sich dies besonders deutlich:
Eine MPU wird in der Regel angeordnet, wenn ein Fahrer mit 1,6 Promille oder mehr im Straßenverkehr auffällig wird. Solche Werte gelten als Hinweis auf ein ernsthaftes Alkoholproblem und nicht auf einen einmaligen Fehltritt.
Jährlich absolvieren etwa 100.000 Personen eine MPU in Deutschland:
Auffällig ist zudem, dass extreme Verkehrsverstöße überwiegend Männer betreffen. Der Anteil der Frauen liegt bei lediglich etwa 5 %.
Statistisch bestehen ungefähr 27,4 % der Teilnehmer die MPU beim ersten Versuch.
Bei einem negativen Ergebnis kann die Untersuchung grundsätzlich beliebig oft wiederholt werden, bis eine positive Beurteilung erreicht wird. Allerdings sind mit jeder Teilnahme zusätzliche Kosten verbunden.